Aus der Technik-Hotline (2) – Was sind die Vorteile einer Sub-and-Top-Dachsanierung?

Unser Team aus Ingenieuren mit Praxiserfahrung beantwortet täglich Fragen per E-Mail und am Telefon. In der Serie „aus der Technik-Hotline“ greifen wir gängige Themen auf und schreiben diese verständlich auf.

Wer nicht sein ganzes Haus sanieren möchte, aber dennoch Energie sparen will, der entscheidet sich meist für eine Dachsanierung. Bei der Dachsanierung gibt es mehrere Möglichkeiten. Diese haben wir in diesem Artikel erläutert.

Eine häufige Frage in der Technik-Hotline ist „Was sind überhaupt die Vorteile einer Sub-and-Top-Verlegung“? Schließlich ist es zeit- und materialaufwändig, da die Bahn in jedes Gefach geschlauft werden muss.

Bei der Sub-and-Top-Verlegung muss die Bahn möglichst satt an Sparren und Innenbekleidung anliegen.

Hier antwortet Zimmerer und Ingenieur Stefan Hückstädt auf diese Frage:

Die Luftdichtungs- und Dampfbremsebene verläuft im Gefach bauphysikalisch optimal warmseitig der Wärmedämmung. Dadurch sind die Feuchtegehalte im Gefachdämmstoff extrem niedrig. Das Erfordernis einer zusätzlichen Aufdachdämmung ist abhängig von der Diffusionscharakteristik der Bahn bzw. den Anforderungen durch den Wärmeschutz. Zum Teil lassen sich Anschlüsse (z. B. an der Traufe oder beim Übergang auf die Kehlbalkenlage nach innen) bei der Sub-and-Top-Dachsanierung vergleichsweise einfache herstellen, da die Bahn im Gefachbereich bereits dort verläuft, wo der Anschluss auch erfolgen muss. Außerdem handelt es sich bei der Sub-and-Top-Verlegung um eine weit verbreitete, anerkannte Lösung. Es herrscht also weitestgehend Erfahrung und Sicherheit beim Umgang.

Sicher auch auf dem Sparren – mit feuchtevariablen Bahnen

Auf den Sparren verläuft die Bahn sehr weit auf der Kaltseite der Konstruktion. Dies ist der kritische Punkt dieser Verlegungsweise. Hier droht die Gefahr von Kondensatbildung, wenn Feuchtigkeit aus dem beheizten Innenraum z. B. entlang der Sparrenflanken bis zur Oberseite der Konstruktion aufsteigen kann. Daher darf auf keinen Fall eine Dampfbremse mit konstant hohem Diffusionswiderstand (z. B. PE-Folie) für diese Verlegungsweise verwendet werden.

Sub-and-Top-Prinzip mit feuchtevariabler Dampfbremse: Im Gefach (Sub) diffusionsdichter: Schutz vor Feuchte. Auf den Sparren (Top) hochdiffusionsoffen: schnelle Trocknung nach außen.

Eine geeignete feuchtevariable Dampfbremse, Beispiel DASATOP, die robuste Sanierungs-Dampfbremse mit Vliesverstärkung, bietet ein hohes Maß an Sicherheit auch bei geringer oder sogar gar keiner Überdämmung. Der Diffusionswiderstand passt sich quasi „automatisch“ den bauphysikalischen Anforderungen an – innen im Gefach dampfbremsend, auf der Sparrenoberseite diffusionsoffen. Die Verlegerichtung bzw. -ausrichtung zu den Traghölzern spielt dabei keine Rolle. Feuchtevariabel ist jedoch nicht gleich feuchtevariabel! Der Verlauf des Diffusionswiderstands in Abhängigkeit der Luftfeuchte muss auf diese Verlegung abgestimmt sein. Im feuchten Bereich muss die Bahn einen möglichst geringen sd-Wert aufweisen, um auf der Sparrenoberseite maximale Sicherheit zu bieten – vergleichbar mit einer diffusionsoffenen Unterdeckbahn.

Hier ein Fachvortrag unseres Kollegen Martin Großekathöfer über die richtige Luftdichtung mit der Sub-and-Top-Verlegung am Beispiel der pro clima DASATOP.

Die Sub-and-Top-Verlegung bietet außerdem den Vorteil, dass nicht zwingend eine Mindestüberdämmung erforderlich ist, das bedeutet, dass die Aufbauhöhe des Daches gleich bleiben kann. In der Denkmalpflege oder bei vorgegebenen Anschlusshöhen (zum Beispiel bei Reihenhäusern) kann dies ein entscheidendes Kriterium sein.

Bauherren sind zudem flexibel bei der Auswahl des Dämm-Systems. So ist die Verwendung eines Einblasdämmstoffes möglich, ohne die luftdichte Ebene zu beschädigen und später wieder abdichten zu müssen. Unter Umständen lässt sich mit der Sub-and-Top-Verlegung, zusätzlich zur Gefachdämmung, auch eine Aufdachdämmung mit Schaumdämmstoffen realisieren. Soll anstelle einer Dachdämmung bis zum First die oberste Geschossdecke wärmegedämmt werden, ist dies ebenfalls mit der Sub-and-Top-Verlegung in Verbindung mit einer diffusionsoffenen Brettschalung als Belag möglich.

Hier ein Beispiel von einer Baustelle der Zimmermeisterin Nadine Jülg-Schnekel. Dachsanierung nach KfW-Standard mit Herausforderungen, wie Dachgauben, circa 340 m² Dachfläche.

Falls Sie sich gerade noch in der Findungsphase sind, welches Luftdichtungssytem bei Ihrem Dachprojekt geeignet ist. Hier eine Entscheidungshilfe als Tabelle:

Bisher erschienene Folge der Serie

Lese-/Video-Tipps

Stefan Hückstädt, Diplom-Ingenieur (FH) für Holzbau- und Ausbau

Stefan Hückstädt, Diplom-Ingenieur (FH) für Holzbau- und Ausbau, berät in der pro clima Technik-Hotline Planer und Verarbeiter und hält Vorträge zu Themen rund um Luftdichtung und Feuchteschutz. Für die pro clima Wissenswerkstatt fungiert er als Referent bei den Seminaren “Sicher dichten” und “Praxisgerecht sanieren“.

Sie erreichen Stefan Hückstädt und die Kollegen der pro clima Technik unter:

Fragen? Fragen! Die Technik-Hotline freut sich auf Fragen

Technik-Hotline: https://de.proclima.com/service/technikhotline

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