So tickt pro clima: „Bei einem erfolgreichen Unternehmen muss der Mensch im Mittelpunkt stehen“

Uwe Bartholomai, Geschäftsführer bei pro clima spricht über proclima als Arbeitgeber, die Entwicklung und Philosophie der Firma.

Uwe Bartholomai, Geschäftsführer bei pro clima spricht über proclima als Arbeitgeber, die Entwicklung und Philosophie der Firma.

Firmenphilosophie und Entwicklung von MOLL pro clima – Interview mit dem Geschäftsführer Uwe Bartholomäi.

Wer die Zentrale von MOLL pro clima in Schwetzingen besucht, betritt ein modernes, von Licht durchströmtes Gebäude. Die Räume großzügig gestaltet, mit einem hohen Eingangsbereich und einem multimedialen Besucherzimmer. MOLL bauökologische Produkte erweitert derzeit Büro- und Meetingräume. Ein Bereich ist gerade fertig geworden.

Die andauernden Bauarbeiten symbolisieren das stetige Wachstum der erfolgreichen Marke pro clima. Inzwischen arbeiten rund 100 Männer und Frauen für das mittelständische Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Produktion von Systemen zur dichten Gebäudehülle spezialisiert hat. Die Mitarbeiter arbeiten verteilt über ganz Deutschland: Am Standort Schwetzingen, Berlin und in vielen deutschen Städten in Home Offices und Co-Working-Places.

Uwe Bartholomäi war vor über 20 Jahren entscheidend an der Entwicklung der Marke pro clima beteiligt und prägte die Unternehmensidee, Philosophie, Organisation, Vertrieb und Kommunikation. Heute ist er verantwortlich für die Bereiche Organisation, Kommunikation, Vertrieb und Personalentwicklung. In diesem Interview spricht er über neue Räume zum Kreativsein, warum bei pro clima jeder in seinem Arbeitsfeld selbst viel Gestaltungsraum vorfindet, warum gute Ideen nicht immer erfolgreich sind und wie sich die Firma in den vergangenen 21 Jahren entwickelt hat.

Frage: Die neuen Büros sind gerade frisch eingerichtet und bezogen – die Bauarbeiten gehen jedoch weiter. Wo werden die nächsten Räume entstehen?

Uwe Bartholomäi: Wer uns in Schwetzingen besucht, sieht, dass wir einige Arbeitscontainer auf dem Hof aufgestellt haben. Das soll natürlich nur eine mittelfristige Lösung sein. Wir wollen rund 250 Quadratmeter neue Büroflächen schaffen. Gerade sind wir schon dabei den Seminarbereich auszubauen. Wir haben eine neue Sanierungspraxishalle – wer bei unserem Seminar Praxisgerecht sanieren oder beim Bauslam dabei war, kennt die großen Hallen. Neben einem erweiterten Schulungshaus für viel praktische Übungsmöglichkeiten wird langfristig der Seminarbereich auch dorthin verlegt werden. Das jetzige Forum 41 – das für Seminare und Veranstaltungen genutzt wird – wird nach und nach in Arbeitsräume umgewandelt. Das schöne für unsere Mitarbeiter: Das jetzige Bistro wird ein exklusiver Bereich für die Mitarbeiter. Sie können dort zusätzlich zu unserer anderen Mitarbeiterküche Essen zubereiten, sich austauschen oder einfach nur sein.

Frage: pro clima trägt als Philosophie nach außen, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Was bedeutet das für pro clima Mitarbeiter? Wie wird das im Arbeitsalltag umgesetzt?

Uwe Bartholomäi: In einem erfolgreichen Unternehmen muss der Mensch im Mittelpunkt stehen. Schließlich werden die Produkte und Strategien von den Menschen gemacht. Wir als Geschäftsleitung versuchen Menschen einen Raum zu geben, um sich zu begegnen und um kreativ zu werden.

Wie wird das konkret umgesetzt?

Uwe Bartholomäi: Wenn der Mensch im Mittelpunkt steht, dann wird er auch mit seinen Bedürfnissen und Erfahrungen beachtet. Wer neu zu pro clima kommt, hat somit Zeit sich mit der Firma, der Philosophie und seinen Aufgaben auseinanderzusetzen. Zwar ist ein Aufgabenbereich definiert, aber jeder soll die Möglichkeit erhalten im Rahmen der Aufgabenstellung möglichst viel eigenes Potenzial einzubringen. Wenn ein Mensch sich aktiv einbringen kann, seine eigenen Fähigkeiten bzw. Potenzial in seinen Arbeitsalltag leben kann, entsteht die größtmögliche Zufriedenheit und Freude. Durch diese Freiheit entsteht großes Potenzial, neue Ideen, die die Firma und Marke noch vorne bringen. Denn der Mensch ist der Schlüssel für die Entwicklung. Das ist natürlich auch im negativen Fall so: Wenn der Mensch schlechte Ideen hat und demotiviert ist, schadet das der Firma. Und um an dieser Stelle selbstkritisch zu bleiben: das gilt nicht nur für Mitarbeiter, sondern auf für die Geschäftsleitung. Trifft die Führungsebene falsche Entscheidungen, kann es nachhaltig allen schaden. Es gibt Fälle in Wirtschaftsgeschichte, bei denen große Unternehmen gescheitert sind, weil die Geschäftsleitung neue Anforderungen und Entwicklungen falsch eingeschätzt haben bzw. gar nicht wahrgenommen haben.

Bei pro clima sind die Hierarchien recht flach, alle duzen sich, es gibt kaum ernannte Führungskräfte und jeder muss Verantwortung übernehmen. Wo klappt das gut und wo geht etwas schief?

Uwe Bartholomäi: Jeder Mitarbeiter sollte am besten wissen, wie seine Arbeit am effektivsten angegangen wird. So kann jeder die Prozesse optimieren und mitwirken. Da wir gerade im Wachstumsprozess sind, gibt es natürlich auch Dinge, die nicht sofort umgesetzt werden oder „hinten runter fallen“. Wir arbeiten jedoch daran, dass jeder Mitarbeiter gehört wird. Denn durch die Fachkompetenz, Bereitschaft zur Verantwortung, kann er oder sie diesen Unternehmensbereich erfolgreich nach vorne bringen.

Wer entscheidet, entscheidet manchmal auch falsch. So kommen in dieser Philosophie auch nicht ganz zielführende Entscheidungen vor. Aber kontraproduktiver ist es, gar keine Entscheidung zu treffen und keine Verantwortung zu übernehmen. Das blockiert viel eher ein Unternehmen.

Unser Unternehmen ist auch nicht besonders im Sinne, dass bei pro clima die Menschen ausschließlich außergewöhnlich sind. Wir, und hier schließe ich mich ausdrücklich mit ein, sind ganz normale Menschen mit den bekannten Prägungen, Verhaltensmustern, Stärken und Schwächen. Die Vielfalt des Ganzen bringt unseren Fortschritt. Die Aufgabe besteht darin, diese Vielfalt zu organisieren und dem System pro clima erfolgreich zuzuführen.

Die Marke pro clima ist 1994 entstanden, um sich mit guten Produkten und Systemlösungen für besseres Bauen einzusetzen. Diesen Anspruch haben viele – wo liegt der Unterschied bei pro clima, was macht die Marke so erfolgreich?

Uwe Bartholomäi: Das pro clima Logo hat sich seit 1994 nicht verändert. Auch der Slogan „ …und die Dämmung ist perfekt“ ist gleich geblieben und passt heute mehr denn je. Lothar Moll, Gründer und Inhaber der MOLL bauökologische Produkte GmbH, und ich hatten die Vision die Bauqualität zu erhöhen und zu verändern. Wir wussten jedoch, dass man nur eine erfolgreiche ökologische Alternative anbieten kann, wenn sie auch ökonomisch erfolgreich ist. Das bedeutet, es reicht nicht, ein gutes Produkt zu haben. Es muss auch unabhängig, ohne Förderungen wirtschaftlich – also finanzierbar für den Käufer sein.

Schon vor der Gründung der Marke pro clima hat MOLL angefangen sich mit der Dichtung der Gebäudehülle auseinanderzusetzen und Bahnen für die Gebäudehülle zu entwickeln. Die erste Bahn hieß BI Baupappe und dies war bereits 1985

Unsere Grundmotivation war es nicht, erfolgreich zu werden, sondern Wissen weiterzugeben, Produkte zu entwickeln, beraten und zu verkaufen, die Sinn machen.

pro clima gehörte mit zu denersten Unternehmen, die sich ganzheitlich dem Thema Dichtung der Gebäudehülle angenommen haben. Vor allem feuchtevariable Systeme entwickelt und verkauft haben. Später kamen immer mehr Marktbegleiter hinzu. Warum konnte und kann sich pro clima weiter behaupten?

Uwe Bartholomäi: Wir sind tatsächlich als Spezialistinteressant und werdenauch entsprechend angefragt. Unsere Philosophie ist es jedoch, unabhängig zu sein. Würden wir uns an Investoren binden, hätten wir zwar mehr Kapital zur Verfügung, aber wären abhängig und müssten immer schnell Ergebnisse erzielen. Wir würden sicherlich schneller wachsen, aber auch hier würde der Mitarbeiter – also Mensch – wieder zu kurz kommen. Daher wollen wir uns lieber organisch weiterentwickeln.

Wo liegt das Besondere an der Marke, was andere nicht unbedingt haben?

Uwe Bartholomäi: Wir haben uns auf Detaillösungen spezialisiert: Wir schauen, welchen Bedarf Handwerker und Planer bei Bauprojekten haben und entwickeln Lösungen, wie sie die Luft- und Winddichtungsebene schnell und sicher verarbeiten können. Oft entwickeln wir ein Produkt für ein Problem, das zwar bekannt war, aber nicht gelöst wurde.

Unsere Mission ist es, aufzuklären: Warum brauche ich eine dichte Gebäudehülle, wie kann ich diese schaffen, wo liegen die Tücken? Indem wir unser Wissen weitertragen, verhindern wir Bauschäden – aber um wieder auf den ökonomischen Aspekt zurück zukommen: damit verkaufen wir natürlich auch unsere Systeme. Es ist schön, dass bei pro clima Ideale und Erfolg kein Widerspruch sind, sondern gemeinsam umgesetzt wird.

Fachkompetenz war schon immer unsere Basis und diese wollen wir auch weitergeben:

Unser Wissen vermitteln wir auf verschiedenen Wegen und Plattformen: Technik-Hotline, Wissen Wiki, Handbuch WISSEN, Wissenswerkstatt Känguru und spezielle Schulungstouren für Themen wie gewerkeübergreifendes Arbeiten oder Herausforderungen der Dachsanierung.

Vielen Dank für das Interview.

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