Wie genau funktioniert eine Blower-Door-Messung?

Blower-Door-Tests werden während der Bauphase und nach Fertigstellung des Hauses durchgeführt. Sie zeigen, wie luftdicht ein Gebäude ist und wo Löcher sind, die der Konstruktion langfristig schaden könnten.

Regel Nummer 1: Niemand geht raus oder rein

Regel Nummer eins bei Blower-Door-Messungen: Während die Geräte eingeschaltet sind, darf keiner raus oder rein. Alle Fenster und Außentüren des Hauses werden geschlossen, die Innentüren geöffnet. Dann wird ein Gebläse in eine Tür – manchmal aber auch in ein Fenster – eingebaut, mit dem man Luft heraussaugen oder hineinpumpen kann. Dadurch entsteht ein Unter- oder Überdruck im Haus.
Diese Luft strömt dann durch Löcher im Gebäude nach. Diese Löcher nennt man Leckagen. Wenn man sie suchen will, stellt man am Gebläse einen Druck von meistens 50 Pascal ein. Das sind ungefähr fünf Kilo pro Quadratmeter oder Windstärke fünf.

Wo zieht´s eigentlich?

Luftströmungen sind gut mit der Hand fühlbar. Oft finden sich Leckagen bei den Bauteilübergängen zwischen verschiedenen Materialien. Hier bei einer Messung einer Halle in der Nähe von Rosenheim. ©airtight-junkies.de

Die Leckagesuche ist Teil der normgerechten Messung. Während das Blower-Door-Gebläse sich dreht, sucht der Messdienstleister das ganze Haus nach Leckagen ab. Die Löcher in der Gebäudehülle kann man bei Unterdruck meist mit den Fingern fühlen oder mit der Thermographiekamera sehen. Ein Anemometer zeigt an, wie schnell der Luftstrom ist. Bei Überdruck zeigt Diskonebel sehr gut, wo es rauszieht.

Wann soll gemessen werden?

Das Anemometer dient vor allem zur genauen Lokalisierung und Dokumentation bereits gefundener Leckagen. Auch die genaue Strömungsrichtung ist oft ausschlaggebend. ©airtight-junkies.de

Der finale n50-Wert zeigt, wie dicht die Gebäudehülle verarbeitet wurde. Daher wird nach Fertigstellung des Gebäudeteils gemessen. So schreibt es auch die Messnorm DIN EN 13829 vor, auf die sich die EnEV (Energieeinsparverordnung) bezieht. Auch die KfW sieht das so. Beide schreiben, dass es sinnvoll ist, schon während der Bauphase, z. B. im Rohbau, eine Luftdichtheitsmessung zu machen. So können Undichtheiten einfacher nachgebessert werden.

Normgerecht nur mit Kalibierung

Blower-Door-Messungen gelten als Nachweis für EnEV nach DIN EN 13829 Verfahren B. So steht es in vielen Ausschreibungen. Wenn Sie jemanden für eine Blower-Door-Messung beauftragen, sollten Sie darauf achten, dass seine Geräte auch kalibriert sind. Das erkennen Sie normalerweise an einem Aufkleber auf dem Druckmessgerät. Für die Gebläse gibt es ein Kalibrierzertifikat.

Skandal? Jeder kann es tun!

Manche halten es für einen Skandal: Es gibt in Deutschland keine Anforderungen an die Ausbildung eines Blower-Door-Messdienstleisters. Man kauft sich ein entsprechendes Equipment und zieht los. Aber wer eine Luftdichtheitsmessung mit Protokoll abliefert, haftet auch mit seiner Unterschrift. Und hier hängt inzwischen viel Geld dran. Das Protokoll ist nämlich ein Prüfdokument, beispielsweise für günstige Kredite von der KfW. Daher ist es für Verantwortliche und Auftraggeber sinnvoll, die Anforderungen und Pflichten an einen Messdienstleister zu kennen.

Diese Frage hat Holger Merkel beantwortet. Holger Merkel ist Fachkraft für Differenzdruckmesstechnik und Dozent, u. a. für die pro clima Wissenswerkstatt. Mit seinem Team führt er mehr als 400 Messungen im Jahr durch. Sein Know-how gibt er in Vorträgen, Seminaren und Blower-Door-Ausbildungen weiter.

Neu ist das deutschlandweite 2-Tages-Kompaktseminar, das er mit der TÜV Rheinland Akademie konzipiert hat. Alle Blower-Door-Seminare auf einen Blick: https://blowerdoor-spezialisten.de/
In seinem Blog berichtet er zudem über Blower-Door-Tests, Leckagen und aktuelle Anforderungen: https://airtight-junkies.de/

Quellen und Links

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