Oxfam-Trailwalker 2014: So war für mich der 100-Kilometer-Lauf

Ich (in der Mitte) beim 100-Kilomter-Lauf mit meinen Kollegen.

Meine Kollegen und ich (Mitte) beim 100-Kilomter-Lauf. Quelle: OXFAM FRANCE

Im Mai 2014 bin ich im pro clima Team Lopurtus 100 Kilometer in Frankreich gelaufen. Der Grund war der Oxfam Trailwalker. Der Benefizlauf soll auf die Ungerechtigkeit in der Welt aufmerksam machen. Die eingesammelten Spenden werden in Projekte investiert, die nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe fördern und die Welt gerechter machen sollen.

Warum ich mich zum 100-Kilometer-Lauf entschlossen habe, wie die Vorbereitungen liefen und wie es sich anfühlte – das versuche ich in diesem Blogartikel zu beschreiben. Viel Spaß beim Lesen.

Erst war es eine fixe Idee, die spontan im Büro auftauchte, dann wurde Realität daraus!

Als mein Kollege Günter Bergmann vergangenes Jahr von seinem OXFAM-Trailwalker in Deutschland berichtete, keimte in mir der Gedanke, eventuell doch auch mal an einer derartigen Veranstaltung zu partizipieren. Da es sich bei den Trailwalkern ja nicht um Läufe für Hochleistungssportler handelt, sondern vordergründig um den wohltätigen Zweck und den Spaß geht, sollte das doch auch für mich als Hobby- bzw. Gelegenheitsläufer mit annähernd Doppelzentner-Gewicht und mittelmäßigem Training bzw. mittelmäßiger Trainingmoral möglich sein!?

Für 2014 entstand dann die Idee, ein pro clima – Firmenteam aufzustellen. Da habe ich dann auch Günters Anfrage hin nicht lange gezögert und mich angeschlossen.

Dieses Jahr fand jedoch in Deutschland kein Trailwalker statt. …aber dafür im schönen französischem Nachbarland, wo pro clima ja ebenfalls sehr aktiv ist!

Das war die 100-Kilometer-Strecke.

Der Streckenverlauf. Quelle: OXFAM FRANCE

Nachdem der Entschluss,teilzunehmen schnell feststand und auch verbindlich kundgetan war, stand zwischen mir und dem Lauf natürlich auch noch etwas an Training! Zusammen mit der rüstigen Team-Mutti Günter wurde kurzerhand ein Trainingsplan aufgestellt, der meine gewohnte Wanderdistanz kontinuierlich steigern sollte: wochenendliche Wanderungen deren Distanz sich in 5km-Schritten sukzessive erhöhten, gepaart mit zweimal unter der Woche stattfindenden Jogging-Runden. Die meiste Zeit während der Vorbereitung trainierten wir separat, da es terminlich schwierig gewesen wäre, alle unter einen (Wander-)Hut zu bekommen. Zweimal schafften wir jedoch ein gemeinsames Training.

Der erste Trainingslauf: 50 Kilometer, 2500 Höhenmeter bei strömendem Regen: “Ich fragte mich ernsthaft, was ich hier eigentlich mache”

Der erste Trainingslauf waren mehrere Etappen des Neckarsteiges von Heidelberg nach Eberstadt (Eckdaten: ca. 50km Wegstrecke und 2500 Höhenmeter). Als Günter und ich dann am Morgen des 22.03.14 gegen 6:30Uhr bei strömenden Regen in Heidelberg gleich zu Beginn die Himmelsleiter (1200 unregelmäßige Natursteinstufen überwinden 270 Hm) hinaufspurteten und Günter hier auch gleich mal meine Fitness testen wollte, fragte ich mich doch ernsthaft, was ich hier eigentlich mache! Ausschlafen im warmen, trockenen Bett hätte auch seinen Reiz gehabt! Nach der ersten Tortur kamen wir allerdings gut voran und auch das Wetter besserte sich. So kamen wir nach guten 10 Stunden in Eberbach an. Erst bei bzw. nach einer kurzen Sitzpause am ansässigen Bahnhof bemerkte ich, dass die 50km nicht spurlos an mir vorüber gegangen waren. Dies äußerste sich durch Blasen, einem geschwollenen Fuß und leichten „Motorik-Problemen“.

Der zweite Trainingslauf

Beim zweiten Trainingslauf am 05.04.14 war dann auch Kollege Leo Morche mit von der Partie. Diesmal hatten wir uns den sog. Pfälzer Königsweg ausgesucht (ebenfalls gut 50km und ca. 2500 Hm).

Info von Stefan Hückstädt: Günter, Leo und ich waren zusammen mit Günters Lebensgefährtin Cilli und ein paar Bekannten von Günter am Samstag, 5.04.2014,  gemeinsam unterwegs im Rahmen der Trailwalker-Vorbereitung.  Wir sind zusammen den Pfälzer Königsweg gegangen (50km 2500hm) im Rahmen eines Geocaching-Events.

Günter Bergmann (links) , Leo (mitte) und ich (rechts) waren zusammen mit Günters Lebensgefährtin Cilli und ein paar Bekannten von Günter am Samstag, 5.04.2014, gemeinsam unterwegs im Rahmen der Trailwalker-Vorbereitung. Wir sind zusammen den Pfälzer Königsweg gegangen (50km, 2500hm) im Rahmen eines Geocaching-Events.

Mit dabei waren auch alte Trailwalker-Veteranen, die zusammen mit Günter vergangene Läufe bestritten hatten. Es handelte sich bei der Veranstaltung um ein Geocaching-Event. Da ich selbst diesem Hobby fröne, kam mir die Verbindung mit unserem Trainingslauf sehr entgegen!

“Leider konnte der Service-Wagen des Veranstalters nicht unser Tempo halten…..daher mussten wir auch auf die Nussecken verzichten”

Start war wieder in aller Herrgottsfrüh um 5:30Uhr bei Dunkelheit. Als ich dann vor Ort das erste Mal auf die Mitläufer für diesen Tag traf, machte ich mir kurz erneut Gedanken, ob ein Langstreckenlauf das Richtige für mich ist, hatten doch allesamt eine asketische Läuferfigur und augenscheinlich deutlich weniger Kilos zu tragen als meinereiner. Auch hier ging es zu Beginn gleich ordentlich den Berg hinauf. Zunächst befanden wir uns noch im Trubel der ca. 100 Mitläufer, konnten uns dann aber relativ flott vorne im Feld platzieren und ungestört unser Tempo laufen. Leider konnte der Service-Wagen des Veranstalters nicht unser Tempo halten, da er an den jeweiligen Checkpoints natürlich warten musste, bis der Großteil des Läuferfeldes passiert hatte. Daher mussten wir auch leider auf die vielfach angepriesenen Nussecken verzichten. Dafür kehrten wir zwischendurch kurz in der urigen Nellohütte ein, wo es nicht nur körperliche, sondern auch geistige Erfrischung gab ;-)!

Nach ca. 11 Stunden erreichten wir hier als erste das Ziel, wo dann ein mehr als verdientes Wander-Weizen einverleibt wurde (für die Team-Mutti natürlich alkoholfrei).

Zum Abschluss des Tages eilte ich dann noch zur Geburtstagsfeier meiner Mutter im Restaurant – dreckig, speckig und durchgeschwitzt wie ich war. Nach diesem Lauf hatte ich deutlich weniger körperlichen Beschwerde als beim ersten Trainingslauf. Das machte natürlich Mut!

Auf geht´s zum Oxfam Trailwalker 2014

Freitag 16.05.14 war es dann endlich soweit: Zum Mittag machten wir uns nachdem noch ein paar schöne Gruppenfotos geschossen wurden (hier sahen wir als Läufer auch noch frisch aus) mit dem extra dekorierten Lopur-Tour-Bus auf dem Weg gen Frankreich.

fotos (2)

Unser erster Stopp war im Elsass, wo wir Jean-Louis nicht nur einsammeln sondern für die meisten von uns auch das erste Mal persönlich treffen durften. Er vermittelte auf Anhieb den Eindruck eines fitten Langstreckenläufers! Dass uns sicherlich knapp 40kg Gewicht trennen, gab mir dann wieder etwas zu denken. Zumal er extra für den Lauf noch 2kg abgenommen hatte! Ich dagegen hatte mir am vorangegangenen Sonntag während einer Kommunion ganztätig den Bauch vollgeschlagen!

Nach einer gemütlichen und kurzweiligen Fahrt erreichten wir Avallon am frühen Abend.

Hier begaben wir uns zunächst zur Anmeldung und anschließend zu einem gemeinsamen Abendessen, wo uns der „esprit français“ das erste Mal berührte.

Irrfahrt – blinder Gehorsam gegenüber Navi

Bisher verlief alles bestens, doch dann folgte eine kleine Irrfahrt bedingt durch blinden Gehorsam des Navis gegenüber, das wohl offensichtlich nicht auf dem neuesten Stand der Straßenverbindungen in Frankreich war. Endlich am Hotel angekommen folgte der zweite Akt des Dramas: Es gab keine personell besetzte Rezeption, sondern sehr zum Unbehagen vor allem älterer, Technik-averser Mitstreiter nur einen Check-In-Schalter, vor dem sich bereits eine Schlange runzelnder Stirnen gebildet hatte. Die von der Team-Mutti geplante Nachtruhe ab spätestens 22 Uhr war schon lange hinfällig und die wertvolle Restruhezeit schrumpfte zusehends. Nach gefühlten Stunden konnten wir endlich unsere Nachtlager, die stark an Kabinen von mittelklassigen Kreuzfahrtschiffen erinnerten, beziehen.

Samstag 17.05.14: Früh morgens um 5 Uhr war es um die kurze Nacht geschehen und wir machten uns auf den Weg zum Start. Hier galt es noch ein spartanisches Frühstück zu vertilgen und den Sturm auf die Bastille bzw. toilette zu überleben. Die zwei Schüsseln, die hier mehreren Hundertschaften genügen mussten, versprühten ein dementsprechendes Flair! Ähnliches kannte ich bisher nur vom Oktoberfest! 😉 In der großen Halle waren derweil clownartig verkleidete Organisatoren bewaffnet mit Megafon bemüht, die Läufer in Stimmung zu bringen, was wohl auch Wirkung zeigte.

Start

Mit gefülltem Magen und entleertem Darm begaben wir uns dann zur Startlinie, wo ein Animateur die noch müden Körper zu rhytmischer Musik auf Betriebstemperatur brachte. Um 7 Uhr war es dann endlich soweit: der Start!

Eilig begaben wir uns relativ weit nach vorne um nicht in der großen Masse festzuhängen.

Die Strecke verlief dann zunächst durch das schöne Avallon, wo sich auch einige Menschen am Straßenrand versammelt hatten und die Läufer anfeuerten.

Meine Kollegen Leo Morche (links) und Günter Bergmann. Günter hat das Firmenteam initiiert.

Meine Kollegen Leo Morche (links) und Günter Bergmann. Günter hat das Firmenteam initiiert.

In einem ersten Waldstück sorgte eine missverständliche Ausschilderung kurz für Konfusion und den ein oder anderen extra Laufmeter vorgeeilter Läufer. Wir durchschauten das Täuschungsmanöver sofort und bogen richtig ab! 😉

“Boxenstrategie”: kurze Pause, um nicht so schnell laufen zu müssen

Beim ersten Checkpoint nach 17km hielten wir die Pause bewusst sehr kurz. Hier hatten wir auch noch keine Supporter-Unterstützung eingeplant.
Unsere „Boxenstrategie“ war generell die Pausen sehr knapp zu halten um dann dafür nicht so schnell laufen zu müssen! Diese Taktik ging eigentlich auch sehr gut auf. Durch lange Pausen verliert man sehr viel Zeit, die man meist nicht wieder reinlaufen kann.

Pause am Checkpoint 2 –  französische Spezialitäten

Umso herzlicher war der Empfang durch unsere Supporter an Checkpoint 2 nach insgesamt 27km! Hier hatten sie uns streckennah einen Tisch aufgebaut, garniert mit ausgewählten französischen Spezialitäten. Die Pause von ca. 20min war leider viel zu schnell vorüber. Eilig wechselte ich die Socken und befüllte die Trinkflaschen neu (wir hatten um Gewicht zu sparen keine Rucksäcke, sondern nur Bauchgurte mit Trinkflaschenhalter dabei). Auch der häufige Sockenwechsel hat sich bei mir bewehrt. So blieb ich zumindest weitestgehend von Blasen verschont.

Auch beim nächsten Checkpoint nach insgesamt 36km verzichteten wir auf Supporter-Unterstützung und schoben zum Unverständnis der dortigen Streckenposten und momentan noch arbeitslosen Masseure nur kurz ein wenig Obst sowie Energieriegel und Wasser ein und eilten weiter.

Momentan waren wir dann auch recht zügig unterwegs und hatten einen Schnitt (inkl. der Pausen) von ca. 6,5 km/h, woraufhin wir uns schon die tollsten Gesamtzeiten ausrechneten.

…die sich dann letztendlich allerdings nicht ganz ausgingen.

Eine größere Pause, hatten wir auf halber Strecke in Lormes vorgesehen. Das war auch gut für meine Motivation, da ich irgendwo zwischen Kilometer 40 und 50 bereits ein erstes kleines Tief erlebte. Die Aussicht auf die Pause gab dann wieder Schub! Auch Leo hatte hier Probleme mit seinem Fuß, weshalb ihm die Pause und der dort mögliche Schuhwechseln sehr entgegenkamen.

Pause mit “Durchknete-Service”

Die Pause haben wir dann auch in vollen Zügen genossen. So wurde das erste und einzige Mal der „Durchknete-Service“ in Anspruch genommen. Die vom Organisator angekündigte warme Mahlzeit war leider noch nicht fertig. Aber dem tapferen Einsatz unseres Supporters Marcus war es zu verdanken, dass wir dann doch ein warmes Süppchen vom angrenzenden Mittelalter-Ständchen erhielten – Vielen Dank noch mal dafür!

Mit frischen Socken, einem leckeren Süppchen im Bauch, massierten Knochen und aufgetankter Motivation starteten wir in die zweite Hälfte des Laufes.

Weiter ging es nach St. Martin Du Puy, wo wir ursprünglich geplant hatten zu duschen und die Kleidung für die Nacht anzulegen. Da wir jedoch zeitlich (bisher) super durch kamen und es noch lange nicht dunkel wurde, entschieden wir uns unterwegs, die Pause hier doch kurz zu halten, auf die Dusche zu verzichten und die Klamotten eine Station weiter zu wechseln. Schade war, dass die wild-romantische Outdoor-Dusche, liebevoll von Christian Stadler aufgestellt, dadurch ungenutzt blieb!
Weiter ging es nach Bazoches. Ein malerisches kleines Dörfchen, das vor allem durch das schönen Château de Bazoches bekannt ist und dadurch auch einen netten Charme versprüht.

Auf geht´s in die Nacht!

Jetzt entledigten wir uns auch endlich der vollgeschwitzten Klamotten und wechselten (ohne Dusche) auf frisches T-Shirt und langes Beinkleid für die Nacht. Auch die Stirnlampen wurden hier eingepackt.

Am Checkpoint gab es dann noch ein wenig Dörrobst und etwas zu trinken.
Hier befragten wir die Streckenposten, was unsere Platzierung anging. Es gab dann allerdings zunächst widersprüchliche bzw. falsche Auskünfte. Als wir bereits auf dem Weiterweg waren, klingelte das Handy. Unsere treuen Supporter hatten nochmals genauer nachgehakt und gaben die Info durch, dass wir doch tatsächlich auf Platz 4 lägen und die Drittplatzierten nur kurze Zeit vor uns den Checkpoint verlassen hatten. Das spornte natürlich an!

Verletzung bei Streckenkilometer 75

Vorbei am schöne Chateau stiefelten wir in die einbrechende Dämmerung. Einige Kilometer später ca. bei Streckenkilometer 75, noch bei Tageslicht, passierte es dann: ich vertrat mir auf einem harmlosen Schotter-Feldweg den linken Fuß unglücklich, was dieser dann mit Schmerzen und Schwellung quittierte, womit ich dann für den Rest des Laufes zu kämpfen hatte! 🙁

Ein Fuchs? – Nein ein Reh!

Allmählich wurde es dann auch dunkel. Jetzt stiefelten wir im Schein der Kopflampe durch Wiesen und Wälder. Das eingeschränkte Sehvermögen schärfte dann natürlich die übrigen Sinne. So nahm man die Geräusche und Gerüche der Natur deutlich stärker war als tagsüber, wo man die meisten Eindrücke doch visuell aufnimmt! Zwischendurch diskutierten wir dann noch Verhaltensregeln für den Kontakt mit Wildschweinen, die jedoch glücklicherweise nicht zum Einsatz kamen. Einzig ein Reh, von Günters scharfen Augen zunächst als Fuchs identifiziert ;-), kreuzte unseren Weg.

Allmählich machte sich auch mein lädierter Fuß stärker bemerkbar, sodass mein Tempo merklich nachließ, während Leo und Jean-Louis richtig Tempo machten. Kurz vor dem nächsten Checkpoint nach insgesamt ca. 84km schloss dann plötzlich und unerwartet ein anderes Team auf und überholte uns. Damit sank die Laune dann (bei mir zumindest) deutlich. Die ersten Gedanken zum Abbruch machten sich bei mir breit. Das war für mich allerdings keine Option! So schleppt man sich dann weiter und weiter und zählt die Kilometer.

Am Checkpoint wurden wir klatschend von unseren gut gelaunten Supportern empfangen. Aufgrund der unerwarteten Überholung durch das andere Team zuvor, hatten die zunächst das falsche Team in der Dunkelheit freudig klatschend empfangen und waren dann etwas iiritiert.

Candellightessen als Motivation

Auch hier hatten unsere treuen Supporter wieder keine Mühen gescheut, uns eine schöne Pause zu ermöglichen! Gegen den Widerstand der Streckenposten hatten sie einen Park-/Rastplatz unmittelbar neben dem Checkpoint aufgebaut. Der Campingtisch war reichlich mit brennenden Kerzen geschmückt und die Campingstühle warteten mit Wolldecken auf die müden Läufer. Auch kleine Leckereien standen wieder bereit. Da fiel es sehr schwer, sich irgendwann wieder aufzuraffen und weiter zu marschieren! …aber es half ja nichts!

Kampf gegen die Müdigkeit

Ab jetzt wurde es richtig zäh! Die Kilometer wollten einfach nicht mehr so schnell purzeln wie zu Beginn. Der Weg zum nächsten und letzten Checkpoint in Pontaubert kam mir wie eine gefühlte Ewigkeit vor! Die Supporter waren derweilen ans Ziel in Avallon gefahren um ein Nachtlager für uns zu organisieren und ein wenig Schlaf zu tanken. Dass von dem Organisator keine Schlafplätze zur Verfügung gestellt wurden, teilten uns die Supporter dann schonend mit der Info mit, dass es eine “kleine Planänderung” gäbe.

In Pontaubert beim Checkpoint kämpfte ich derweilen mit der Müdigkeit. So musste mehrmals durch lautstarke Zurufe der Streckenposten verhindert werden, dass ich mir beim Einschlafen auf einem Stuhl den heißen Tee über die Hose leere!

Die letzten Kilometer bis zum Ziel

Beim Abmarsch wurde uns noch mitgeteilt, dass der letzte Streckenabschnitt unwegsam und schwierig sei. …und das war er dann auch! Der Weg führte durch ein uriges Bachbett, wo man ständig über kleinere Felsen steigen und bedacht sein musste, die Tritte richtig zu setzen. Im “frischen” Zustand sicherlich abenteuerlich, spaßig und unproblematisch. Nach knapp 20 Std. und 95 km Fußmarsch anstrengend, unangenehm und nervend!

Aber auch diese Hürde konnten wir irgendwann hinter uns lassen und im Schein des Vollmondes erreichten wir endlich die erlösende Stadtgrenze von Avallon. Jetzt konnte eigentlich nichts mehr schief gehen, sofern wir nicht noch von einem Auto angefahren werden. 😉

Der erlösende Moment: das Ziel

Noch ein paar Minuten durch die malerische Altstadt, die mir in diesem Moment aber ehrlich gesagt völlig wurscht war, und wir erreichten den großen grünen Oxfam-Zielbogen. Davor standen unsere Supporter und feuerten uns an. Was ein schöner und vor allem erlösender Moment! Als fünftes von insgesamt 221 gestarteten Teams erreichten wir das Ziel nach insgesamt 21 Stunden.

Nachdem uns hier noch als Andenken eine kleine Medaille verliehen wurde und ein paar Fotos geschossen wurden, machten wir uns auf den Rückweg.

Der Rückweg: Schlaflager auf der Ladefläche des Transporters

Die Supporter hatten für uns als Nachtlager die Ladefläche des Transporters mit Isomatten, Decken und darauf den Schlafsäcken ausgelegt.

Während die Supporter dann im Wechsel nach Hause fuhren, knackten wir seelenruhig auf der Ladefläche. Vermutlich hätte uns nicht mal ein auffahrender LKW aufgeweckt! Bei einem Tankstopp wachte ich dann doch auf und musste erstmal die Tür aufreißen. Die vollgeschwitzten Klamotten und Ausdünstungen im vollbesetzten Bus hatten doch ein gewisses Muffklima verursacht!

Da wir direkt im Anschluss an unsere Zielankunft in Avallon abgefahren waren, kamen wir auch relativ früh um die Mittagszeit in Schwetzingen an, sodass der restliche Sonntag übrig blieb um auszupacken und zu regenerieren. Der Lauf hing mir allerdings noch ein paar Tage länger in den Knochen!

Fazit

Abschließend kann ich sagen, dass es für mich eine tolle Erfahrung war, die ich nicht missen möchte. Schön war es, Spenden zu sammeln und sich dabei auch noch sportlich zu betätigen! 🙂
Ich bin noch nie so viele Kilometer am Stück gegangen und werde es wohl auch nicht allzu oft wiederholen! Obwohl wir uns eigentlich bis auf die beiden Trainingsläufe getrennt voneinander vorbereitet hatten, funktionierte das Team super! Bei meinen Teamkameraden möchte ich mich für die Harmonie, den Zusammenhalt und den Spaß bedanken.
Auch bei den Supporter, die uns unglaublich gut unterstützt haben, möchte, ich mich bedanken.
…außerdem natürlich auch bei pro clima und allen weiteren Unterstützern und Spendern!
Wir konnten durch die Aktion fast 3000€ für die Organisation OXFAM und damit für wohltätige Zwecke auf der ganzen Welt sammeln.
Wenn jemand Lust hat sich für einen guten Zweck einzusetzen und dabei noch Grenzerfahrungen zu sammeln, kann ich dieses Event nur wärmstens empfehlen!

 

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