„Aufgedacht“ – Luftdichtung bei Dachaufbauten mit Aufdachdämmung

Die Details sind die Herausforderung!

Gerade bei energetischen Dachsanierungen aber auch im Neubau wird gerne mit Aufdachdämmung gearbeitet. Die einfache Verarbeitung in der Fläche täuscht jedoch oftmals über die anspruchsvollen Anschlussdetails hinweg. Hier gilt es einiges zu beachten und vorab zu planen!

Neben dem Austausch von Fenstern und der nachträglichen Wärmedämmung der Außenwände, ist die Dachsanierung samt Austausch / Erneuerung der Dämmebene eine verbreitete und effiziente Maßnahme zur energetischen Ertüchtigung von Bestandsgebäuden. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, die Wärmedämmebene anzuordnen – zwischen den Sparren, auf dem Dach oder als Kombination beider Varianten. Relativ häufig wird eine Dämmung vorgesehen, die ausschließlich oder zumindest zum größten Teil im Aufdachbereich aufgebracht wird. Auch in Neubauten wird mit Aufdachdämmung gearbeitet, z.B. dann wenn die Tragkonstruktion des Daches später sichtbar bleiben soll. Ein Faktor für die Entscheidung zur Aufdachdämmung, ist die einfache Verarbeitung des Dämmstoffes, da großformatige Platten vollflächig, schnell und damit wirtschaftlich verlegt werden können.

Das mag auch in der Fläche zutreffend sein, jedoch stellen die Anschlussdetails Planer und Handwerker oft vor ungeahnte Herausforderungen! Das betrifft nicht nur die Wärmedämmung an sich, sondern die zusätzlich erforderliche Luftdichheitsebene. Energieeinsparverordnung (EnEV) und DIN 4108-7 (Luftdichtheit von Gebäuden) fordern sinnvoller Weise eine dauerhaft luftundurchlässige Ausbildung der Gebäudehülle. Die Gründe dafür sind bekannt: Reduzierung von Wärmeverlusten, Vermeidung von Feuchteschäden, Steigerung der Behaglichkeit und viele weitere.

Das müssen Sie bei Regelaufbauten beachten

Dampfbremse unter Aufdachdämmung – Die Verlegung von außen erfordert spezielle Bahnen: robust, bewitterbar, rutschemmend und blendfrei

Betrachten wir zunächst den Regelaufbau. Oftmals dienen die verwendeten Luftdichtungen gleichzeitig als Dampfbremse. Bei Steildachaufbauten mit hinterlüfteter Dacheindeckung und diffusionsoffener Unterdeckung werden prinzipiell keine hohen Anforderungen an den Diffusionswiderstand der verwendeten Dampfbremse / Luftdichtung gestellt. In der Regel sind hier Bahnen oder dampfbremsende Holzwerkstoffe mit sd-Werten ≥ 2 m völlig ausreichend, um den Feuchteeintrag durch Wasserdampfdiffusion ausreichend zu begrenzen. Für den „Außeneinsatz“ sind spezielle Bahnen verfügbar, die mitunter besondere Vorteile bieten. Oft sind diese mehrlagig aufgebaut, sodass der Funktionsfilm (die eigentliche Dampfbremse und Luftdichtung) beidseitig durch Deckvliese geschützt wird. Das oberseitige Vlies kann außerdem blendfrei und rutschhemmend sein, was bei der Verlegung der Bahn vorteilhaft ist. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass derartige Bahnen oft freibewitterbar sind, bzw. als Witterungsschutz der Konstruktion während der Bauzeit dienen können. Aufwendiges zusätzliches Abplanen der Konstruktionen zum Schutz vor Witterung kann so entfallen.

Giebel, Sparren und Traufe anschließen

Pfiffige Lösung für den Traufanschluss bei durchlaufenden Sparren – Vorgefertigte Montage­winkelleisten erleichtern die Arbeit!

An den Giebeln ist die luftdichte Verbindung mit den Außenwänden im Vergleich zu den Längswänden relativ einfach herzustellen. Dort ist in der Regel bei unterbrochener Dachschalung direkt die Außenwand zugänglich. Ggf. muss auf der Mauerkrone noch ein Glattstrich aufgebracht werden (unverputztes Mauerwerk gilt nicht als luftdicht). Anders an den Längswänden, da hier die Luftdichtung noch unter die Ebene der Tragkonstruktion geführt werden muss. Bei durchlaufenden Sparren bedeutet dies, dass jeder Balken umlaufend luftdicht angeschlossen werden muss, was sehr hohen Arbeitsaufwand und handwerkliches Geschick erfordert. Um die Luftdichtheitsbahn seitlich an den Sparren zu befestigen, können Anschlaglatten oder bereits vorgefertigte Montagewinkelleisten hilfreich sein, die einen Anschlag zur Verlegung der Bahn und gleichzeitig die Möglichkeit zur Verklebung bieten.

Fertig angeschlosssene Sparrendurchdringung bei durchlaufenden Sparren – Schwierig ist vor allem die Abdichtung der Sparrenunterkante. Hier braucht’s spezielle Lösungen und handwerkliches Geschick!

Alternativ können auch Stellbretter aus luftdichten Holzwerkstoffplatten eingefügt und umlaufend luftdicht angeklebt werden. Im Neubau kann der luftdichte Anschluss auf der Innenseite der Fußpfette verlaufen. Das bietet den Vorteil, dass die Sparrenunterkante offen liegt. Bei Dachsanierungen von außen muss jedoch unter Umständen entlang der Außenkante der Fußpfette abgedichtet werden. Hier ist dann die Sparrenunterkante sehr schwer zugänglich und die luftdichte Verklebung gestaltet sich dort schwierig. Auch für dieses knifflige Detail gibt es entsprechende Sonderlösungen für den luftdichten Anschluss.

Deutlich einfacher herzustellen ist der Traufanschluss wenn die Sparren auf der Fußpfette enden – dies kann sowohl im Neubau bei vorangegangener Planung oder im Bestand durch bauseitiges Abtrennen der Sparrenköpfe erfolgen. Die Bahn kann dann sehr einfach entlang der Traufkante nach unten geschlagen und auf die Außenwand geführt werden. Der neue Dachvorsprung wird dann anschließend durch aufgedoppelte Stichsparren wieder hergestellt. Der Aufwand relativiert sich, bedenkt man, dass zur Schubsicherung der Aufdachdämmung (wenn keine aufwendige Schubverschraubung erfolgt) Schubhölzer im Traufbereich erforderlich sind. Natürlich muss unter Berücksichtigung örtlicher Gegebenheiten (Schneelasten, Größe des Dachvorsprungs) geprüft werden, ob diese Option überhaupt möglich bzw. sinnvoll ist!

Anschlüsse der Luftdichtung an durchdringende Bauteile sind relativ einfach herzustellen: z.B. Verklebung an Dachfensterrahmen mithilfe von geeigneten Klebebändern oder Verklebung an verputzte Schornsteine mit Klebemassen. Zu beachten ist jedoch, dass die Anschlüsse stets möglichst warmseitig und im Falle einer temporären Freibewitterung wasserführend ausgeführt werden.

Knifflig: So gelingt auch ein Anschluss der Sanitär-Strangentlüftung

Professionelle Sanitärrohrdurchführung nachträglich – Mit speziellen Systemlösungen lassen sich auch im Nachgang (beim Eindecken wenn der entsprechende Form-Dachstein positioniert werden kann) saubere, hohlraumfreie Durchführungen schaffen.

Im Gegensatz dazu gestaltet sich der Anschluss der Sanitär-Strangentlüftung kompliziert! Das Problem ist, dass die genaue Position der Rohrdruchführung erst nach Verlegung der Aufdachdämmung und dem Einlatten der Dachfläche ermittelt werden kann, da später an einen speziellen Sanitär-Lüfter-Dachziegel angeschlossen werden muss. Dann ist die Luftdichtungsbahn für einen ordentlichen Anschluss jedoch nicht mehr zugänglich. Schneidet man die Aufdachdämmung nachträglich größer heraus, als für die Durchführung erforderlich, um dann an der Luftdichtungsbahn anschließen zu können, müssen anschließend die Fehlstellen in der Dämmung und ggf. die Unterdeckbahn ergänzt werden (Spalt zwischen Dämmung und Rohr ausstopfen oder ausschäumen und Schnitte in Unterdeckbahn verkleben). Das kann nur eine behelfsmäßige Lösung sein! Deutlich eleganter und professioneller ist die Verwendung spezieller Rohrdurchführungssysteme, mit dem Vorteil, dass die Durchführung nachträglich positioniert und hergestellt werden kann, ohne dass Fehlstellen / Hohlräume in der Dämmebene entstehen und der Möglichkeit, sicher von außen an der innenliegenden Dampfbrems- und Luftdichtungsebene sowie außen an der Unterdeckbahn anzuschließen.

Es betrifft zwar nicht die luftdichte Ebene an sich, jedoch muss zusätzlich durch geeignete Maßnahmen verhindert werden, dass zwischen Aufdachdämmung und Luftdichtungsebene eine Durchströmung mit Außenluft erfolgt. Das könnte beispielsweise bei unebenen Dachflächen in Verbindung mit druckfesten, sehr steifen Dämmplatten passieren, wenn zwischen Luftdichtungsbahn und Dämmplatten Hohlräume entstehen. Während der Tauperiode könnte so eine niedrige Temperatur auf der Innenseite der Wärmedämmung bzw. an der Dampfbremse entstehen, wodurch dort erhöhte Feuchtigkeit anfallen könnte. Das kann verhindert werden, indem z.B. zwischen Dämmplatten und Luftdichtungsebene an Ortgängen und Traufen umlaufend ein geeignetes vorkomprimiertes Dichtband eingelegt wird.

In der Baupraxis bei der Verwendung von Schaumstoff-Dämmelementen ist leider oft gängige Praxis, dass die Sparrengefache in der Ebene der Längswände mit „Stellbrettern“ aus Dämmplatten ausgefacht werden und die Fugen umlaufen mit Bauschaum ausgeschäumt werden. Dazu ein selbsterklärender Auszug aus DIN 4108-7:2011-01: „Fugenfüllmaterialien z. B. Montageschäume, sind aufgrund ihrer Eigenschaften nicht oder nur in begrenztem Maße in der Lage, Schwind- und Quellbewegungen sowie andere Bauteilverformungen aufzunehmen und sind deshalb nicht zur Herstellung der erforderlichen Luftdichtheit geeignet.“

Fazit

Die Aufdachdämmung bietet viele Vorteile – auch die einfache Verlegung von Luftdichtung und Wärmedämmung in der Fläche. Es gilt jedoch spezielles Augenmerk auf ein paar Besonderheiten sowie die Anschlussdetails zu legen. Eins muss klar sein: Die Luftdichtung muss lückenlos an die angrenzenden Bauteile angeschlossen werden. Dazu muss in den Außenbereichen die Dachebene unter- bzw. durchbrochen werden. Um hier auf der Baustelle nicht durch ausufernden Aufwand oder behelfs- bzw. mittelmäßige Lösungen überrascht zu werden, ist eine sorgfältige Planung der Anschlussdetails erforderlich. Durch elegante Lösungen, wie das Enden der Dachsparren an Vorderkante Fußpfette, kann die Luftdichtung auch hier einfach, wirtschaftlich und sicher vorgesehen werden.
Sinnvoll ist auch der Einsatz spezieller Produkte für die Aufdachdämmung – beispielsweise bewitterbare Dampfbremsbahnen, die auch als Witterungsschutz der Konstruktion dienen können oder spezielle Verbindungsmittel für knifflige luftdichte Anschlüsse (z.B. Durchdringungen).

Autor

Stefan Hückstädt. Der pro clima Anwendungstechniker ist Dipl.-Ing. (FH) Holzbau, gelernter Zimmerer. In dem Seminar praxigerecht sanieren ist die Luftdichtung immer wieder ein Thema. Mehr Informationen, Termine und Anmeldung zum Seminar gibt es hier.

Bildquellen: GUTEX Holzfaserplattenwerk H. Henselmann GmbH & Co. KG, Caleb Contracting LLC, Cambridge, Vermont (USA), pro clima

Weitere Informationen:

WILLFIX: System zum einfach sicheren Anschluss von Luft- und Winddichtung bei Durchdringungen durch druckfeste Aufdachdämmungen:

pro clima Sanierungssysteme:

Detaillösungen:

Detail – Verarbeitungstipp:

  • Dachflächenfenster luftdicht anschließen

 

 

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