Forschung in der Praxis: Einzigartiges KREIS-Haus ist fertig

Der Gebäudesektor ist für mehr als 40 Prozent des weltweiten Ressourcen- und Energieverbrauchs verantwortlich. Entsprechend gross ist das Potenzial zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz bei Gebäuden. Im schweizweit einzigartigen KREIS-Haus (Klima und Ressourcen-Effizientes Suffizienz-Haus) in Feldbach am Zürichsee wird umweltschonende Kreislaufwirtschaft erforscht und erlebbar gemacht. Das Pionierhaus stellt der Forschung einen Raum zur Verfügung, um neue kreislauffähige Technologien und Materialien in der Praxis auszuprobieren sowie diese der Öffentlichkeit in Form eines Prototyps vorzustellen.

Angewandte Forschung im Gebäude

Interessierte können das KREIS-Haus nicht nur besichtigen, sondern auch darin übernachten. Dadurch erfahren sie zum einen direkt, wie es sich in einem kreislaufwirtschaftlichen Gebäude lebt, zum andern werden sie gleichzeitig auch Teil eines Forschungsprojekts des ZHAW Instituts für Umwelt und Natürliche Ressourcen. In diesem wird untersucht, wie sich das KREIS-Haus im Alltag bewährt. In Interaktion mit den Nutzerinnen und Nutzern können die Anwendungen getestet und verbessert werden. Ziel des Forschungsprojekts ist die Schaffung eines Wohnalltags, der das Klima und die Umwelt schont.

Im September wurde das KREIS-Haus eröffnet. Es gibt die Möglichkeit, hier zu übernachten und sich selbst von der Bauweise zu überzeugen. Allerdings – die Warteliste ist lang.

Initiiert und konzipiert wurde das Projekt von Devi Bühler, ZHAW-Umweltingenieurin sowie Präsidentin des Vereins Synergy Village. Sie leitet das von über 40 weiteren Partnerinnen und Sponsoren unterstützte Kooperationsprojekt zwischen der ZHAW als Forschungspartnerin und dem Verein Synergy Village als Umsetzungspartner. «Wir haben versucht, das Prinzip der Kreislaufwirtschaft bis ins Detail und auf kleinstem Raum umzusetzen», erläutert Devi Bühler. «Damit möchten wir im KREIS-Haus als ‹Praxislabor› sowohl praktische als auch wissenschaftliche Erkenntnisse sammeln, um das nachhaltige und kreislauffähige Bauen breitflächig zu fördern.»

Alles nach Kreislauf-Prinzip aufgebaut

Das KREIS-Haus, welches auf dem Grundstück des Vereins Synergy Village errichtet wurde, besteht aus einer voll ausgebauten kleinen Wohneinheit mit Wintergarten. In der Kreislaufwirtschaft werden Abfallstoffe wieder zu Wertstoffen. Durch dieses zweite oder dritte Leben erhält jeder Stoff seinen individuellen Lebensweg. Für den Bau wurden Naturbaustoffe wie Lehm, Kalk und Holz verwendet, aber auch langlebige, rezyklierte und wiederverwendete Materialien.

Im Dachgeschoss wurde als Dampfbremse die pro clima DB+ (blau) verbaut. Hier ist die innere Verkleidung aus Lehmplatten noch nicht fertig angebracht.

Zum Beispiel besteht ein Fussboden aus rezyklierten Glasscherben oder sind die Fenster wiederverwendet von einem Abbruch. Die Trockentrenntoilette in einem geschlossenen Kreislaufsystem spart Wasser und ermöglicht die Rückgewinnung von Nährstoffen, die nach der Aufbereitung mittels speziellem Verfahren im Dachgarten als Dünger eingesetzt werden. Leicht verschmutztes Abwasser aus Küche und Bad wird direkt im Gebäude gereinigt und für die Bewässerung genutzt. Der benötigte Strom kommt von den im Wintergarten integrierten Solarmodulen, wobei überschüssiger Strom in Second Life-Batterien gespeichert wird. Das ganze Haus steht auf einem betonlosen Schraubfundament.

KREIS-Haus setzt auf pro clima

Dachaufbau an Ausrichtung und Sonnenstunden angepasst

Damit die Wärmedämmung tatsächlich Energie spart und Bauschäden vermieden werden, braucht es eine funktionierende Luftdichtung. Im Dach kam als luftdichte Schicht die feuchtvariable Dampfbremse DB+ zum Einsatz. Die ökologische Bahn aus Baupappe ist seit über 30 Jahren erfolgreich am Markt – ein bewährtes System. Den inneren Abschluss soll künftig eine Trägerplatte mit Lehmputz bilden. Montiert wird diese auf einen horizontalen Rost. Das Dach besteht südseitig aus Glaselementen mit Photovoltaikmodulen. 65% der Dachhälfte sind transparent und machen die Südhälfte zu einem grossen Wintergarten. Nordseitig ist das Dach konventionell aufgebaut.

Zwischen den Sparren befindet sich Schafwolldämmung. Die nordseitige Dachhälfte wurde zusätzlich noch mit einer Holzweichfaserplatte überdämmt. Darauf montiert, sorgt die Unterdachbahn pro clima SOLITEX MENTO 3000 dafür, dass die Dämmung gut funktionieren kann. Den Abschluss auf der Oberseite des Dachs bildet eine Hinterlüftung und eine Indach-Photovoltaikanlage.

Experimenteller Wandaufbau

Hier noch zu sehen: die Hochleistungsdampfbremse INTESANA – vor der Montage der Fassadenverkleidung.

Doch nicht nur die umweltschonene Kreislaufwirtschaft des Hauses wird erforscht, auch in der Konstruktion der Wände steckt ein Teil des Experiments: Sie bestehen aus 240 mm starken Massivholzelementen. Von aussen sind sie mit der Hochleistungs-Dampfbremse pro clima INTESANA abgedichtet und waren damit schon während der Bauphase vor der Witterung geschützt. Darauf ist ein 120 mm Rost montiert. Er fixiert die zusätzliche Lage an Holzfaserdämmstoff. Für die Winddichtheit sorgt die Fassadenbahn pro clima FRONTA WA. Die Fassadenverkleidung wurde direkt auf die Fassadenbahn montiert – somit gibt es keine Hinterlüftung. Genau das ist aber auch Teil des Experimentes. Die Baubewilligung ist daher befristet und sieht eine Nutzungsdauer von nur 5 Jahren vor. Daher stellt dieser Test kein allzu großes Wagnis dar.

Weitere Informationen

Das pro clima Schweiz Team stellt sich vor:

30 Jahre DB+: Was sich seitdem in puncto Luftdichtung verändert hat

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